Die Integrierte Leitstelle (ILS) in Lörrach ist das Herzstück des Bevölkerungsschutzes im Landkreis: Wer hier die 112 wählt, landet bei einem der Disponenten, die Rettungsdienst und Feuerwehr im gesamten Kreis koordinieren. Nach über zwei Jahrzehnten war die technische Grenze der bestehenden Anlage erreicht. layer7 hat den Umbau von Anfang an federführend geplant und begleitet — von der Stromversorgung über das Kommunikationsmanagementsystem (KMS) bis zum kompletten Betriebsraum. Kernstück ist eine vollständig neue, hyperkonvergente Server-Infrastruktur auf Proxmox- und Ceph-Basis: vier Hosts, durchgängige Redundanz, 100-Gbit/s-Storage-Anbindung. Die zentrale Vorgabe über das gesamte Projekt: Die Leitstelle musste durchgehend einsatzbereit bleiben. Ein Umbau am offenen Herzen.
Ausgangslage
Nach über zwei Jahrzehnten war die technische Grenze erreicht.
Der bestehende Betriebsraum der Leitstelle war endgültig in die Jahre gekommen. Die alten Disponententische waren überdimensioniert, überladen und nahmen viel zu viel Raum ein. Doch schon in der frühen Planungsphase ab Herbst 2024 zeichnete sich ab, dass es nicht bei einem Möbeltausch bleiben konnte: Investitionen in mehrere kritische IT-Systeme waren teils überfällig.
Dass der Handlungsdruck real ist, zeigt die Einsatzentwicklung im Kreis Lörrach.
Neben dem Raum selbst mussten auch das KMS, die Stromversorgung und die Server-Cluster der ILS erneuert werden. Alle Beteiligten waren sich einig: Es macht keinen Sinn, diese Themen als einzelne Baustellen anzugehen. Deshalb wurde alles in einem großen, gemeinsamen Umbauprojekt gebündelt.
Konzeption
Gemeinsam von der Messe bis zum Projektplan.
Bereits 2024 haben wir gemeinsam mit der Leitstellenleitung und der Geschäftsführung des DRK Rettungsdienstes auf der PMRExpo in Köln — der Leitmesse für professionelle Kommunikationstechnik — die verschiedenen Konzepte für die Leitstellen-Möblierung evaluiert. Im selben Zug haben wir uns direkt bei STRABAG über die Weiterentwicklung des in Lörrach eingesetzten KMS informiert.
Aus diesen Vorarbeiten wurde ein durchgängiger Projektplan, den layer7 als IT-Dienstleister federführend mitgestaltet und über die gesamte Laufzeit begleitet hat — von der stundenlangen Konzeptionierung der Stromversorgung über die Koordinierung der einzelnen Gewerke bis hin zum Rückbau der über Jahre gewachsenen Infrastruktur.
Die zentrale Herausforderung
Eine Leitstelle lässt sich nicht abschalten.
Notrufe müssen jederzeit angenommen und Einsätze koordiniert werden — auch mitten im Umbau. Das komplette Projekt lief deshalb als Operation am offenen Herzen.
Über den gesamten Umbau hinweg wurde durchgängig sichergestellt, dass selbst im Fall einer Großlage genügend Disponenten- und Abfrageplätze zur Verfügung standen. Erst als der gewohnte Betrieb in den Übergangsräumlichkeiten gesichert war, wurde der eigentliche Rückbau begonnen.
Die Umsetzung
Schritt für Schritt — bis alle Zahnräder ineinandergriffen.
Übergangsbetrieb aufbauen
Die Disponentenplätze wurden Stück für Stück in andere Räumlichkeiten verlagert. Parallel dazu wurde der Lage- und Besprechungsraum bereits vollständig erneuert und mit außerordentlichen Abfrageplätzen (AAP) ausgestattet — so blieb die Einsatzfähigkeit auch bei erhöhtem Aufkommen jederzeit gewährleistet.
Betriebsraum entkernen und ertüchtigen
Nachdem der Übergangsbetrieb gesichert war, wurde der alte Betriebsraum vollständig entkernt und von Grund auf neu ertüchtigt: neuer Fußboden, neue Stromleitungen, neue Netzwerktechnik.
Serverraum bereinigen
Parallel wurde im Serverraum alles zurückgebaut, was sich über die Jahre an Kabelverbindungen zum Betriebsraum angesammelt hatte — die Grundlage für eine saubere, wartbare Infrastruktur.
Neues KMS und neue Arbeitsplätze
Während im Betriebsraum bereits die neuen Möbel aufgebaut wurden, verbauten und konfigurierten wir im Serverraum das neue Kommunikationsmanagementsystem. Am Ende griffen alle Zahnräder wie geplant ineinander: Nach rund einem Monat konnten die Disponenten den neuen — und doch vertrauten — Betriebsraum wieder in Betrieb nehmen. Zeitgleich gingen die neuen Arbeitsplätze mit dem neuen KMS in Betrieb.
Die neue Server-Infrastruktur.
Die sichtbaren Veränderungen im Betriebsraum sind nur die eine Hälfte des Projekts. Die andere — und aus IT-Sicht entscheidende — liegt im Serverraum. Denn ohne die dahinterliegende Rechen- und Speicherinfrastruktur alarmiert kein Einsatzleitsystem ein Fahrzeug und wird kein Notruf verarbeitet.
Die über Jahre gewachsene Serverlandschaft wurde vollständig zurückgebaut und durch ein hyperkonvergentes Cluster (HCI) auf Basis von Proxmox VE und Ceph ersetzt. Hyperkonvergent bedeutet: Rechenleistung und Speicher sind nicht mehr auf getrennte Systeme verteilt, sondern verteilen sich gemeinsam über alle Knoten des Clusters. Fällt eine Komponente aus, übernehmen die verbleibenden Knoten — ohne Datenverlust und ohne Unterbrechung des Betriebs.
Vier Hosts, durchgängige Redundanz
Das Cluster besteht aus vier Server-Knoten. Der verteilte Ceph-Storage hält alle Daten mehrfach redundant über die Knoten hinweg vor. Es gibt damit keinen zentralen Speicher, dessen Ausfall die gesamte Leitstelle lahmlegen könnte — ein klassischer Single Point of Failure wurde konstruktiv eliminiert.
Hochperformantes Netzwerk-Backend
Damit ein verteilter Storage-Verbund performant arbeitet, braucht er entsprechende Bandbreite. Wir haben die interne Storage-Kommunikation mit 100 Gbit/s angebunden, die Server-zu-Server-Kommunikation mit 25 Gbit/s. Das sorgt dafür, dass Replikation und Wiederherstellung im Hintergrund laufen, ohne den produktiven Betrieb spürbar zu beeinflussen.
Backup im laufenden Betrieb
Sämtliche virtuellen Maschinen werden mehrfach täglich gesichert — im laufenden Betrieb, ohne Ausfallzeit für die Leitstelle. Im Ernstfall lassen sich einzelne Systeme oder das gesamte Umfeld in kurzer Zeit auf einen definierten Stand zurückführen.
Durchgängiges Monitoring
Das Cluster ist bis auf Komponentenebene detailliert überwacht. Zustand der Knoten, Auslastung, Storage-Gesundheit, Netzwerk und Backup-Läufe werden kontinuierlich erfasst. Abweichungen werden erkannt, bevor sie zum Problem für den Einsatzbetrieb werden — proaktiv statt reaktiv.
Unabhängigkeit und Wartbarkeit
Mit Proxmox und Ceph setzt die ILS Lörrach auf einen offenen, herstellerunabhängigen Technologie-Stack. Erweiterungen sind durch Hinzufügen weiterer Knoten möglich, Wartungsarbeiten und Updates lassen sich rollierend durchführen — ein Knoten nach dem anderen, während der Betrieb weiterläuft. Eine Grundsanierung wie 2025/2026 soll es so kein zweites Mal brauchen.
Technologie-Entscheidung
Warum Proxmox und Ceph für KRITIS die richtige Wahl sind.
Die Entscheidung für Proxmox VE und Ceph ist keine Frage des Budgets, sondern eine bewusste Architekturentscheidung für eine Einrichtung der kritischen Infrastruktur:
Offener Quellcode, prüfbare Sicherheit
Proxmox VE und Ceph sind Open Source. Der gesamte Quellcode liegt offen und ist auditierbar — für Betreiber, für Prüfer, für unabhängige Sicherheitsforscher weltweit. Bei geschlossenen Systemen muss man den Herstellerangaben vertrauen. Bei offenem Code lässt sich nachsehen. Für eine Einrichtung, in der Verfügbarkeit und Vertraulichkeit nicht verhandelbar sind, ist das ein struktureller Vorteil.
Software aus Europa
Proxmox VE wird von der Proxmox Server Solutions GmbH mit Sitz in Wien entwickelt. Für Betreiber kritischer Infrastruktur in Deutschland bedeutet das kurze Wege, europäische Rechts- und Datenschutzstandards und keine Abhängigkeit von Lizenzpolitik oder Exportbeschränkungen außereuropäischer Konzerne. Ein Thema, das im Zuge der jüngsten Lizenzumbrüche im Virtualisierungsmarkt für viele Betreiber schlagartig an Relevanz gewonnen hat.
Ein Beitrag zur digitalen Souveränität Europas
Gerade im KRITIS-Bereich ist die Frage, wer die eingesetzte Software kontrolliert, keine akademische. Wer Notruf, Rettungsdienst und Feuerwehr koordiniert, sollte nicht davon abhängen, wie ein Konzern außerhalb Europas seine Lizenzmodelle, Produktstrategie oder Exportpolitik ändert. Der Einsatz europäischer Software wie Proxmox in kritischen Infrastrukturen ist deshalb mehr als eine technische Präferenz — er ist ein konkreter, praktischer Beitrag zur digitalen Souveränität Europas. Jede Einrichtung, die sich hier bewusst entscheidet, stärkt ein europäisches Technologie-Ökosystem, das langfristig Handlungsfähigkeit sichert. Wir sind überzeugt: Digitale Souveränität entsteht nicht durch Absichtserklärungen, sondern durch Entscheidungen wie diese — Projekt für Projekt.
Herstellersupport auf Zuruf
Open Source bedeutet nicht: auf sich allein gestellt. Über Subscription-Verträge steht Enterprise-Support direkt beim Hersteller zur Verfügung — ohne Zwischenhändler, mit direktem Draht zu den Entwicklern der Plattform. Im Zusammenspiel mit dem Betrieb durch layer7 entsteht so eine belastbare Supportkette bis in den Kern der Plattform hinein.
Keine Vendor-Lock-in-Falle
Weder Virtualisierung noch Storage binden die ILS an einen einzelnen Hersteller. Hardware ist austauschbar, das Cluster wächst mit, Migrationspfade bleiben offen. Genau das, was eine Infrastruktur braucht, die die nächsten zwei Jahrzehnte tragen soll.
layer7 ist Proxmox Silber-Partner und betreibt Proxmox- und Ceph-Umgebungen seit Jahren — im eigenen Rechenzentrum wie bei Kunden vom Mittelstand bis in den KRITIS-Bereich.
Erfahrung aus hunderten Projekten · Cluster-Dimensionierung, Ceph-Tuning, Netzwerk-Design, Backup & BetriebDas Know-how aus hunderten Projekten fließt in jede Auslegung ein: Cluster-Dimensionierung, Ceph-Tuning, Netzwerk-Design, Backup-Strategie und Betriebsführung. Wir empfehlen diesen Stack nicht, weil er im Trend liegt — sondern weil wir ihn täglich selbst betreiben.
„Das komplette Projekt lief als Operation am offenen Herzen. Am Ende haben alle Zahnräder wie geplant ineinandergegriffen."
Frederik Böse · Projektleiter, layer7Das Ergebnis
Technisch in der Gegenwart angekommen.
Nach dem Umbau stehen der Integrierten Leitstelle Lörrach zur Verfügung:
- 9vollständige Disponentenplätze
- 4außerordentliche Abfrageplätze (AAP) für Großlagen
- 2Medienwände für das gemeinsame Lagebild
- 1modernes, aufgeräumtes Tischkonzept im Betriebsraum
- 4hyperkonvergentes Knoten-Cluster (Proxmox/Ceph) mit vollständig redundantem Storage
- 100Gbit/s Storage- und 25 Gbit/s Server-Anbindung im Backend
- ∞mehrfach tägliche Backups aller VMs im laufenden Betrieb, durchgängiges Monitoring
- +erneuerte Strom- und Netzwerkinfrastruktur als tragfähiges Fundament
Die Leitstelle ist damit technisch in der Gegenwart angekommen — ausfallsicher, skalierbar und auf die weiter steigenden Einsatzzahlen vorbereitet. Ihre Aufgabe ist dieselbe geblieben. Verändert hat sich das Fundament, auf dem die Menschen dort ihre Arbeit tun.
Warum layer7
Verfügbarkeit, die nicht verhandelbar ist.
Als IT-Dienstleister mit eigener Hardware- und Rechenzentrumsinfrastruktur, Proxmox-Silber-Partnerschaft und ausgewiesener Erfahrung im KRITIS-Umfeld planen und steuern wir Umgebungen, in denen Verfügbarkeit nicht verhandelbar ist. In Lörrach haben wir das Projekt von der ersten Konzeptidee bis zur Wiederinbetriebnahme federführend verantwortet — die Gewerke koordiniert, die IT-Infrastruktur erneuert und den laufenden Betrieb zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Kritische Infrastruktur so aufzubauen, dass sie im Ernstfall trägt: Das ist unser Anspruch.